Bâloise wächst in Belgien und bremst im Lebengeschäft

Bâloise wächst in Belgien und bremst im Lebengeschäft...

Basel – Die Bâloise tut das, was auch andere Schweizer Versicherer tun: Sie drosselt seit einigen Jahren das Geschäft mit der traditionellen Lebensversicherung. Das sind Verträge, die über Jahre den Kunden einen Zins garantieren und für die die Versicherer einiges an Kapital beiseitelegen müssen. Höhere Gewinne verspricht bei den derzeit tiefen Zinsen das Nichtlebengeschäft, wo die Bâloise beispielsweise in Belgien stark wächst.

„Aufgrund tiefer Zinsen haben wir das Geschäft mit Lebensversicherungen sehr restriktiv und selektiv gezeichnet“, sagte Bâloise-Chef Gert De Winter am Mittwoch im Gespräch mit AWP mit Blick auf die Entwicklung in den ersten neun Monaten 2018. Das führte dazu, dass das Prämienvolumen der Sparte Leben in dieser Periode um 5,5 Prozent auf 2,71 Milliarden Franken zurückging.

Wachstum verzeichne man allerdings im kleineren Teil der Lebensparte mit modernen und kapitalschonenden Produkten, fügte De Winter an. Dazu zählt er etwa die teilautonome Vorsorgelösung „Perspectiva“, die stark wachse. In dieser Stiftung übernimmt die Bâloise für die angeschlossenen Firmen die Risiken zu Todesfall und Invalidität, nicht aber das Anlagerisiko.

Die separat in einem Bereich erfassten Prämien mit Anlagecharakter reduzierten sich um 9,0 Prozent auf 1,48 Milliarden Franken. Den Rückgang begründet die Gruppe mit saisonalen Schwankungen, die vor allem am wichtigsten Verkaufspunkt für fondsgebundene Produkte in Luxemburg aufgetreten seien. Denn eigentlich wächst das Geschäft, was der 15-prozentige Anstieg des letzten Jahres beweist.

Wachstum in Belgien
Gut entwickelt sich die Sachversicherung, wo alle Ländereinheiten gewachsen sind. Die Sparte steigerte die Prämieneinnahmen um 5,7 Prozent auf 2,87 Milliarden Franken und beschleunigte damit verglichen mit der ersten Jahreshälfte das Wachstum leicht.

Der Treiber dazu ist das Geschäft in Belgien, wo die Einnahmen im Nichtlebengeschäft um 12 Prozent zugelegt haben. Die vor einigen Jahren eingeleiteten Massnahmen in dem Land tragen weiterhin Früchte. Vor allem im Geschäft mit Versicherungsmaklern habe die Bâloise gute Karten, so der gebürtige Belgier De Winter.

Belgien soll nach dem Heimmarkt Schweiz zum zweiten wichtigen Pfeiler aufgebaut werden. Dagegen nahm die Bâloise in dem von einem Umbau betroffenen deutschen Markt etwas weniger an Prämien ein. Die Gruppe verabschiedet sich in Deutschland vom Geschäft mit Industrieversicherungen und legt den Fokus auf KMU und Privatkunden. Im Schweizer Nichtlebengeschäft wuchs das Volumen um moderate 1,6 Prozent.

Attraktive Dividende
Das Wachstum in der Sachversicherung konnte den Rückgang im Lebengeschäft nicht auffangen: Insgesamt hat die Bâloise in den Monaten Januar bis September mit 7,07 Milliarden Franken 2,1 Prozent weniger eingenommen. Gewinnzahlen publiziert der Versicherer erst wieder im Jahresabschluss.

Die Gewinnkraft dürfte unter dem Volumenrückgang nicht gelitten haben, im Gegenteil. In der Nichtlebenversicherung zielt die Gruppe weiterhin auf einen Schaden-Kostensatz von 90 bis 95 Prozent ab. Ein Wert unter 100 Prozent zeigt an, dass das Geschäft profitabel ist. Und das etwas stabilere Zinsniveau gepaart mit der laufenden Verschiebung in rentablere Produkte mit weniger Kapitalbedarf, werde auch das Ergebnis in der Lebensversicherungen stützen, hiess es.

Die Aktionäre dürfen sich auf eine erneut grosszügige Dividende einstellen. Ein Argument dafür liefern die Barmittel, die dafür nach Abschluss des Jahres an die Holding überwiesen werden. Der Wert dieser Mittel dürfte wie im Vorjahr über 400 Millionen Franken liegen, so die Bâloise. Im Fünfjahresplan „Simply Safe“ ist bis 2021 eine Überführung von 2 Milliarden vorgesehen.

Aktie gibt leicht nach
An der Börse seien die solide Geschäftsentwicklung und das Dividendenversprechen des Versicherers bereits eingepreist, meinten Händler. Den Abschluss selbst beschrieben sie als „unspektakulär“. Nach anfänglichen Einbussen schloss die Bâloise-Aktie 0,3 Prozent tiefer auf 147,80 Franken. Der Gesamtmarkt gemessen am SPI verlor 0,9 Prozent. (awp/mc/pg)


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