Online-Banken bieten die günstigsten Richtzinsen für Hypotheken

Online-Banken bieten die günstigsten Richtzinsen für Hypotheken...

Zürich – Bei Festhypotheken über drei, fünf und zehn Jahren sind Online-Angebote von Banken im Schnitt günstiger als Versicherer und Pensionskassen. Am teuersten sind klassische Bankangebote. Das zeigt eine Comparis-Analyse der im Internet publizierten Richtzinssätze. Grundsätzlich liegen die publizierten Richtzinsen aber bis zu 50 Basispunkte über dem verhandelbaren Bestpreis.

Geht man nach den publizierten Richtzinsen, schlagen Online-Banken klassische Banken, Versicherer und Pensionskassen bei den Richtzinsen für Hypotheken teils klar: Die Durchschnitts-Richtzinsen für dreijährige Festhypotheken liegen bei 0,74 Prozent. Jene für fünfjährige bei 0,88 Prozent und die für zehnjährige bei 1,43 Prozent. Versicherer verlangen im Schnitt 1 Prozent (dreijährige), 1,13 Prozent (fünfjährige) und 1,52 Prozent (zehnjährige). Besser als die Versicherer schneiden die Pensionskassen ab mit Werten von 0,87, 1,04 und 1,5 Prozent.

Am höchsten sind die Durchschnitts-Richtsätze für Banken mit klassischen Vertriebskanälen. Hier liegen die Richtzinsen für Festhypotheken im Schnitt bei 1,08 Prozent (dreijährige), 1,18 Prozent (fünfjährige) und 1,67 Prozent (zehnjährige). Das zeigt eine Analyse des Online-Vergleichsdienstes comparis.ch

Online-Hypotheken unterliegen diversen Restriktionen
Bei den Online-Anbietern sticht e-hypo hervor, die Online-Hypothek der Schwyzer und Walliser Kantonalbank. Hier liegen die Zinsen für fünfjährige und zehnjährige Hypotheken mit 0,79 und 1,34 Prozent am tiefsten. Bei den dreijährigen Hypotheken ist die zur Bank BSU gehörende hypocklick.ch mit 0,65 Prozent am günstigsten.

«Online-Hypotheken sind günstiger, weil sie in der Regel diversen Restriktionen unterworfen sind. So liegen die Belehnungsgrenzen beispielsweise bei maximal 66 Prozent. Oder die Kredithöhe ist auf maximal 1 Million Franken limitiert. Weiter sind teilweise nur Ablösungen von Hypotheken möglich», erklärt Comparis-Finanzexperte Frédéric Papp. Zudem sei der Verhandlungsspielraum bei Online-Hypotheken in der Regel stärker limitiert als bei anderen Vertriebskanälen. «Der angegebene Richtzins ist oft bereits der tiefste Preis des Anbieters», warnt er.

Versicherer und Pensionskassen hätten strukturelle Vorteile
Strukturell betrachtet würde man besonders bei Versicherern und Pensionskassen anderes erwarten. «Versicherer und Pensionskassen haben gegenüber Banken Vorteile bei der Hypotheken-Vergabe», sagt der Comparis-Finanzexperte. Zum einen unterliegen sie nicht dem von der Schweizerischen Nationalbank auferlegten antizyklischen Kapitalpuffer. Weiter müssen bankfremde Institute keine Spargelder verzinsen und damit auch keine Sparkunden subventionieren. «Sie können vielmehr ohne Druck die über Jahrzehnte angelegte Prämieneinnahmen für die Hypothekarvergabe nutzen», so Papp.

Diese Kostenvorteile räumen laut dem Experten Versicherern und Pensionskassen mehr Flexibilität bei der Festlegung der Konditionen ein. Das gilt besonders für langlaufende Hypotheken.

Versicherungen und Pensionskassen verfügen laut Papp allerdings teilweise (noch) nicht über die notwendigen Strukturen und Prozesse, um Hypotheken aggressiver zu vermarkten. «Die Banken sind hier im Vorteil. Deshalb haben Pensionskassen und Versicherungen einfache, risikoarme Hypotheken mit langen Laufzeiten im Fokus», so der Comparis-Experte. Ihre Vergabekriterien seien in der Regel strenger als jene der Banken.

Den besten Richtzins für zehnjährige Hypotheken offerieren die Zurich Versicherung und Swiss Life mit je 1,42 Prozent. Mit 1,68 Prozent ist Helvetia am teuersten. Bei den Pensionskassen offeriert die Pensionskasse Basel-Stadt mit 1,3 Prozent das günstigste Angebot. Derweil verlangt die Stiftung Abendrot 1,71 Prozent am meisten der von comparis.ch untersuchten Instituten.

Grosse Unterschiede bei klassischen Banken
Bei den Banken mit klassischen Vertriebsstrukturen hat die Banque du Léman über alle Laufzeiten hinweg am besten abgeschnitten. Die Bank publizierte Richtsätze (Stichtag: 16.11.2108) von 0,66 Prozent für dreijährige, 0,84 Prozent für fünfjährige und 1,18 Prozent für zehnjährige Festhypotheken. Letzterer ist sogar der günstigste Satz aller untersuchten Instituten.

Allerdings: Gerade bei der Banque du Léman gelten die vergleichsweise tiefen Sätze nur, wenn der Kunden Zusatzgeschäfte tätigt. Weiter legt die Bank den Fokus auf die Romandie und dort vor allem auf die Genfersee-Region.

Am unteren Ende der von comparis.ch untersuchten Banken liegt die Urner Kantonalbank mit 1,78 Prozent für zehnjährige und 1,3 Prozent für fünfjährige Hypotheken. Bei den dreijährigen Hypotheken zeigt die Credit Suisse mit 1,23 Prozent den höchsten Richtwert.

Zum Vergleich: Eine zehnjährige Festhypothek über 500’000 Franken verzinst die Banque du Léman mit 5’900 Franken pro Jahr. Bei der Urner Kantonalbank sind es 8’900 Franken. Bei e-hypo zahlt man 6’700 Franken.

Hypothekarzins ist letztlich Verhandlungssache
In Stein gemeisselt sind die oben beschrieben Richtsätze indes nicht. Üblicherweise publizieren die Banken hohe Richtsätze und geben einen Rabatt, sollte der Kunde weitere Geschäfte einbringen. Die Daten des Comparis-Partnerservices HypoPlus zeigen zudem, dass es grossen Verhandlungsspielraum bezüglich Belehnung, Tragbarkeit oder Hypothekarhöhe gibt. «Grundsätzlich liegen die Richtzinsen rund 10 bis 50 Basispunkte über dem verhandelbaren Bestpreis», so Papp. Oft seien somit auch tiefere Zinssätze als bei den Online-Anbietern möglich. (mc/pg)

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